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"Last Minute"-Reise: Verschmähtes Produkt der Anbieter
Deutschland als internationale Ausnahme beim "Trip in letzter Minute"
Dass im Fremdenverkehr nicht weltweit die gleichen Gesetze herrschen,
belegt eine Studie des Forschungsinstitutes Ulysses - Web-Tourismus
http://www.web-tourismus.de in München: Während in anderen Ländern für
Last-Minute-Reisen teils sogar höhere Preise durchgesetzt werden können,
steht der Begriff "Last-Minute" im deutschsprachigen Raum nahezu synonym
für "extrem günstig" - und das mittlerweile branchenübergreifend. Dieser
Umstand erklärt auch, warum diese Art der Reise von den Veranstaltern als
"Stiefkind" behandelt wird. Auch die Wertschöpfung dieser Urlaubsform gilt
als extrem gering.
"Einsparungen von bis zu 40 Prozent sind zwar möglich, allerdings
werden diese Angebote immer rarer", meint Dominik Rossmann, Ulysses -
Web-Tourismus Geschäftsführer, im pressetext-Interview. "Wie beliebt diese
Reiseform ist, wird deutlich, wenn man sich das Buchungsverhalten
ansieht", erklärt Rossmann: 2005 haben die Deutschen 4,8 Mio.
Last-Minute-Reisen unternommen. "Allerdings unterliegt die Zahl der
gebuchten Last-Minute-Reisen großen Schwankungen wie beispielsweise der
Lage der Feiertage." Die Kunden mögen diese Art des Urlaubs einfach, kommt
der Experte zum Schluss. "Außerdem ist diese Reiseform auch Ausdruck eines
speziellen Lebensgefühls von Unverbindlichkeit, Schnelligkeit und
Spontaneität. Die Last-Minute-Reise passt hervorragend in unsere Zeit."
Kritik gebe es allerdings seitens der Veranstalter. "Sie haben es
versäumt, dem Billig-Image der Last-Minute-Reise frühzeitig
entgegenzuwirken und klagen über eine im Prinzip unattraktive Reiseform,
da sie wenig lukrativ ist." Daher werde versucht diese Reiseform langsam
vom Markt zu drängen, auch wenn die Kunden Spontanurlauben positiv
gegenüber stehen.
Durchschnittlich haben die Deutschen im Vorjahr für
Last-Minute-Angebote 416,5 Euro ausgegeben - das sind rund 1,5 Prozent
weniger als 2004. Allerdings zeigen sich vor allem bei den Reiseausgaben
klare Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und zwischen den
Geschlechtern. Fast 40 Prozent aller Last-Minute-Reisen kosteten 2005
zwischen 200 und 399 Euro. Knapp 15 Prozent der Kunden gaben mehr als 600
Euro pro Person aus. Die hohen Last-Minute-Reiseausgaben resultieren
jedoch hauptsächlich aus spontanen Fernreisen. Die beliebteste Last-Minute
Destination war Spanien - mit einem 20 Prozent Absatz-Marktanteil.
Griechenland und Portugal präsentierten sich als Länder mit
überdurchschnittlichen Reiseausgaben im Kurzfristbereich.
"Das wirtschaftlich völlig normale Prinzip - je später man kommt, desto
teurer wird es - scheint im deutschen Reise-Bereich nicht umsetzbar,
lautet die Meinung vieler Anbieter", meint Rossmann. Neidische Blicke gebe
es in Richtung angelsächsischen Raum, in dem die Kunden offenbar
bereitwilliger mehr zahlen, wenn sie knapp vor Reiseantritt erst buchen.
Dass die Deutschen allerdings auf dem Sektor so preisunelastisch sind,
widerlegt Rossmann. "Im Durchschnitt 2,9 Prozent hätten die Reisenden für
ihren Last-Minute-Trip mehr bezahlt, bevor sie auf den Spontanurlaub
verzichten würden", kommentiert Rossmann das Untersuchungsergebnis. Im
Klartext bedeutet dies, dass die durchschnittlichen Ausgaben für den
Spontanurlaub 2005 nicht 416,5 Euro betragen würden, sondern knapp 429
Euro. "Das sind theoretisch pro Person fast 13 Euro mehr. Für eine
Branche, die kaum verdient, ist das viel Geld", so Rossmann. In der
Untersuchung komme allerdings auch heraus, dass 43,2 Prozent der
Last-Minute-Reisenden nicht bereit gewesen wären, auch nur einen Cent mehr
auszugeben. "Es bleibt dennoch zu bezweifeln, ob dies dann tatsächlich so
passiert, denn es geht ja schließlich um die Entscheidung für oder gegen
den Urlaub", meint Rossmann. Schuld an der Schnäppchenjagd seien aber die
Veranstalter selbst gewesen, denn sie haben dieses Billig-Image unter dem
sie jetzt leiden, mit Beginn der 1980er Jahre selbst verursacht.
"Angesichts der nunmehrigen Ergebnisse müssten die Anbieter allerdings
positiv gestimmt sein", meint Rossmann abschließend im
pressetext-Interview.
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